
Der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia), die einzige in Mitteleuropa einheimische Art der Gattung.

Der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia), die einzige in Mitteleuropa einheimische Art der Gattung.
Die Frühlings-Sonne lockt eine bunte Flora aus dem Boden hervor, und die Farbe „Blau“ spielt darin eine dominierende Rolle.
Zuvor hatten die Schneeglöckchen ihren Auftritt. „Galanthomane“ Gartenliebhaber erweitern ihr Sortiment beständig.
Zum Weiß der Schneeglöckchen gesellte sich das Gelb des Winterlings (Eranthis hyemalis oder seltenerE. cilicica).
Krokusse sorgen für das erste Blau
Den Anfang macht meist der Elfen-Krokus (Crocus tommasianus). Er stammt vom Balkan, und es gibt ihn in zahllosen Varianten von blass- bis tiefblau blühend. Am häufigsten ist die fliederfarbene Stammform, die durch Selbstaussaat Blüh-Teppiche auf Rasenflächen ausbildet.
Krokusse sind eine Wissenschaft für sich
Mit der Lektüre von „Crocuses. A complete guide to the genus“ von Janis Ruksans kann man sich in die komplexe Welt der Krokusse vertiefen.
Nach dem Elfen-Krokus blüht eine kräftigere, überwiegend tief-blaue Art, die früher als Neapolitanischer Krokus (Crocus napolitanus) bezeichnet wurde.
Das Taxon wurde in der modernen Crocus-Systematik verworfen, und der Name bezeichnet heute lediglich die italienischen Vorkommen der äußerst variablen Art Crocus vernus, die man bis dato für eigenständig hielt.
Massen-Blüte als Touristen-Magnet
Große Populationen blühender Krokusse ziehen Touristen an. Die Krokus-Wiesen in Husum, bei Drebach im Erzgebirge und bei Zavelstein im Nordschwarzwald sind spektakulär.
Um welche Arten es sich handelt, lässt sich schon schwerer beantworten. Nach neuesten Erkenntnissen soll es sich in Husum um Crocus neglectus aus dem Apennin handeln (hierzu gibt es den interessanten Beitrag von Jonas Reif „Husum in Violett“ in der „Gartenpraxis 02/16). In Zavelstein soll es eine großblütige Variante des einheimischen Crocus vernus sein.
Frühlingskrokus blüht von weiß bis blau
Der wild-wachsende Frühlingskrokus (Crocus vernus) der nördlichen Alpen ist üblicherweise klein- und weiß-blühend. Er ist damit immer noch attraktiv genug, um von den Menschen in ihre Gärten geholt zu werden.
Auf Rasenflächen kommt er am besten zur Geltung, wenn seine Blüte vor den Gras-Austrieb fällt. Danach geht er optisch zwischen Grashalmen unter.
Besonders hübsch sind die von zartblauen Streifen durchzogenen weißen Blüten.
Rein blaue Exemplare sind selten, aber auf der Hochsiedel-Alpe bei Oberstaufen kommen sie ausnahmsweise sogar massenhaft vor. Gleich nach der Schneeschmelze pilgern Touristen zu Scharen dorthin.
Blausterne folgen der Krokus-Blüte
Die nächsten im blau-blühenden Reigen des Frühjahrs sind die Blausterne. Als erstes blüht der einheimische Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia). Er verwandelt Auenwälder in blaue Blüten-Meere. Unter den vielen blau-blühenden Exemplaren entdeckt man regelmäßig auch einzelne weiße.
Der höher aufragende Blaustern Scilla amoena war im 19. Jahrhundert eine beliebte Zierpflanze. Man sieht ihn heute nur noch selten, und die in alten Floren angegebenen verwilderten Vorkommen scheinen erloschen zu sein.
Scilla siberica ist mit seinen großen, leicht nickenden Blüten eine besondere Augenweide. In Parkanlagen baut er im Wurzelbereich von alten Bäumen kranzförmige Blühteppiche auf. Der Schlosspark Ellingen in Mittelfranken ist für seine Blaustern-Wiesen berühmt.
Schneestolz (Chionodoxa)
Der Schneestolz (Chionodoxa) wird in der Systematik meist von Scilla abgetrennt. Die Blütenblätter sind anders als bei Scilla bis zur Hälfte verwachsen, und die Staubblätter neigen sich mit ihren weißen, verbreiterten Filamenten kuppelartig zusammen. Dadurch entsteht der Eindruck einer zentralen „Blässe“ innerhalb der Blüte.
Arten wie Chionodoxa sardensis, C. luciliae und C. forbesii bürgern sich gerne auf Parkrasen und in Gärten ein – durch ihre größeren und aufrecht stehenden Blüten sind sie noch ein wenig attraktiver als der einheimische Blaustern (Scilla bifolia).
Im Mai 2015 begegnete mir auf Kreta im Psiloritis-Massiv Chionodoxa nana in einem typischen Schneetälchen-Habitat, in dem in den Alpen Soldanellen und Crocus vernus wachsen.



